Orchester

Das Akkordeonorchester Müllekoven von 1960

136 Takte "top secret"

Vereinsvorstände wissen es: Um die Mitglieder zu informieren, hat man mehrere Möglichkeiten. Schreib' eine Mail und du wirst sehen, dass darauf etwa 30% reagieren. Etwa 60% erreicht man, wenn man - old-fashioned - ein einen Brief mit der "Schneckenpost" verschickt. Wenn du jedoch 100% der Mitgliedschaft in kürzester Zeit informieren willst, dann gibt es nur einen Weg: Sag das, was du unters Volk bringen willst, nur einem. Aber sag's unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Nichts verbreitet sich schneller und mehr, als ein Geheimnis, das nicht weitergegeben werden soll. So gesehen hatte hatte AOM-Ersatzdirigent Werner Sträßer ein nicht zu unterschätzendes Problem, als er die Idee hatte, den musikalischen Leiter des Orchesters, Stephan Weidenbrück,  anlässlich dessen zehnjährigem Dirigentenjubiläum beim Konzert in der Troisdorfer Stadthalle mit einem Ständchen zu überraschen: Ein Medley mit vielen Arrangements Weidenbrücks in 136 Takten. Das galt es einzustudieren und zwar so, dass zwar alle Mitglieder des Orchesters informiert waren, nur dessen Chef nicht.

Und so mangelte es nicht an Ermahnungen: "Verplappert euch bloß nicht bei Stephan", "Nehmt die Noten ja nicht mit zum Probenwochenende nach Leutesdorf, ihr wisst ja: Stephan hört und sieht alles" und dergleichen Beschwörungen mehr. Aber nicht nur die von Werner Sträßer geschriebenen Noten durften nicht in falsche Hände gelangen, sondern auch die Termine und Orte der Sonderproben nicht, die es auf Stephans Gewohnheiten abzustimmen galt. Wäre doch sehr erklärungsbedürftig gewesen, wenn er an einem Donnerstagabend zu später Stunde zufällig in seinem Wohnort seine Schäfchen mit einer Akkordeontasche auf dem Rücken angetroffen hätte. Aber natürlich mussten die musikalischen Sonderschichten auch mit den Ehepartner abgesprochen werden, damit selbige nicht auf falsche Gedanken kamen und Böses argwöhnten. Das für schier unmöglich Gehaltene gelang: Alle Eingeweihten hielten dicht und nach der letzten Sonderprobe in Sieglar war klar: Das fleißige Üben hatte sich gelohnt. Und so gab es beim Konzert in Troisdorf nicht nur für Stephan Weidenbrück, sondern auch für die Zuhörer, die so ein kleines Stück Vereinsgeschichte erleben und 136 wohlklingend arrangierte Takte von Stephan Weidenbrücks Arrangements hören durften, eine gelungene Einlage.

Ein herzliches Dankeschön gebührt Werner Sträßer, der nicht nur die tolle Idee hatte, sondern diese auch in die Tat umsetzte, sowie allen Orchestermitgliedern, die frag- und klaglos alles mitgemacht hatten.
DANKE!

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